Algerien und die unendliche Sahara

Vier Wochen einsame und unendliche Sahara warteten auf uns und unseren BULLI. Wir haben lange überlegt, ob wir dieses Abenteuer starten. Algerien, das größte Land Afrikas, ist nämlich noch nicht das Reiseland, in dem man sich überall frei bewegen kann, wie man möchte. Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und gewonnen haben wir einzigartige Wüstenerlebnisse, die uns ewig in Erinnerung bleiben werden.
Die Algerienreise war unsere erste Tour mit unserem BULLI, die wir nicht wie sonst allein gefahren sind, sondern in einer geführten Gruppe mit deutschen und algerischen Guides sowie auf einigen Teilstrecken auch mit Polizei- und Militäreskorte. Hintergrund sind die teilweise noch sehr hohen Sicherheitsrisiken – gerade für Touristen – in diesem Land.
Los ging es mit der Fähre von Genua ins tunesische Tunis in 24 Stunden. Leo hat als mittlerweile alter Hase, was das Fähre fahren betrifft, die Überfahrt wieder bestens gemeistert. Von Tunis ging es dann in zwei Tagen durch Tunesien an die algerische Grenze, wo wir uns mit den algerischen Guides trafen. Die Einreiseformalitäten haben sich über zwölf Stunden hingezogen, und das bei teilweise über 40 Grad. Algerien war übrigens bislang das einzige Land, in dem wir bei der Einreise sämtliche Unterlagen und Bescheinigungen für Leo vorlegen mussten.
Es folgten fünf Tage endlose Pisten und Straßen bei brütender Hitze und eher unspektakulären Landschaften, aber mit sehr vielen Fata Morganas am Horizont. Unser Nachtlager mussten wir aufgrund der Sicherheitsrisiken immer neben einer Polizeistation aufschlagen. Frisches Obst, Gemüse oder Brot einzukaufen, war manchmal eine Herausforderung. Supermärkte gibt es in den meisten Landesteilen nicht. Wasser wird ausschließlich in Plastikflaschen angeboten. Da kann man sich dann auch vorstellen, wie viel Plastikmüll es im ganzen Land gibt. Hinzu kam, dass das Land zu der Zeit unter einer Dieselkrise litt. Für die Bevölkerung und vor allem den LKW-Verkehr aus den südlichen Ländern Afrikas bedeutete das meist, dass sie tagelang an einer Tankstelle für etwas Diesel anstehen mussten. Tankstellen gibt es in Algerien nicht gerade flächendeckend. Oft muss man bis zur nächsten Zapfsäule einige hundert Kilometer fahren. So kam es dann auch ab und an vor, dass wir mit Polizeieskorte zum Tanken gefahren sind und uns nicht gerade dabei wohl geführt haben an der kilometerlangen Warteschlange vorbeizufahren. Ein Liter Diesel kostet in Algerien übrigens 20 Cent.
Ausgangsziel unserer einzigarten Saharatour war die Oasenstadt Djanet. Sie liegt ganz im Südosten Algeriens im südlichen Teil der Gebirgskette Tassili n’Ajjer und im Grenzgebiet zu Libyen und Niger. Die Stadt mit ihren heute knapp 15.000 Einwohnern war für viele Jahrhunderte das Zentrum für den Verbund der Tuareg, ein traditionell nomadisches Berbervolk. Besondere Bedeutung hat Djanet als Ausgangpunkt zum Besuch der wohl bedeutendsten, bisher entdeckten Felszeichnungen, die zu Tausenden an den überhängenden Felsen der Plateaus im Tassili n’Ajjer zu finden sind, und der zypressenartigen Bäume, die – alle wissenschaftlich registriert – mit ihrem Alter von oft mehr als 4000 Jahren zu dem ältesten Lebewesen unserer Erde zählen. Die algerische Regierung hat das ganze Gebiet daher auch zum Nationalpark erklärt und die UNESCO rechnet diesen großartigen Geschichtsatlas zu den „erhaltenswerten Kulturgütern der Menschheit“.
Von Djanet aus ging es dann für mehrere Tage in die Tiefen der Sahara. Eine unendliche Weite, keine einzige Spur im Sand und nur eine Handvoll Menschen, die uns begegnet sind. Die Abende und der nächtlich faszinierende Sternenhimmel, wie wir ihn noch nie gesehen haben, waren unbeschreiblich schön. Da haben die umgangssprachlichen Worte „die Sterne zum Greifen nah“ eine ganz reale Bedeutung bekommen. Mit unserem BULLI waren wir im reinsten Offroad-Paradies - die Dünen hoch und runter und das in einer unberührten Natur. Den Reifendruck haben wir teilweise von rund 8 bar auf 0,8 bar runtergelassen, um nicht im Wüstensand stecken zu bleiben. Erfahrungen hatten wir damit ja schon in der marokkanischen Sahara ausreichend gemacht. 😉
Weiter ging es südlich in die Stadt Tamanrasset im Ahaggar-Gebirge. Die Hauptstadt der Tuareg ist der Knotenpunkt in der Sahara und verbindet Nordalgerien mit den Nachbarländern Niger und Mali im Süden. In Tamanrasset leben rund 50.000 Einwohner und die Stadt hat durch seine Lage in 1395 Metern Höhe ein erträgliches Klima, auch im Sommer erreicht das Thermometer nur maximal 35 Grad. Eine breite von Tamarisken gesäumte Hauptstraße durchzieht den alten Ortskern durch die ganze Stadt bis zum Mont Adriane, dem „Wahrzeichen“ von Tamanrasset – eine markante rund 200 m hohe Bergerhebung mitten in der Wüstenlandschaft. Ein viel besuchtes Ziel in dieser Gegend ist der Assekrem - ein berühmtes Bergplateau im Hoggar-Gebirge mitten in der Sahara-Wüste. Das Plateau erreicht eine maximale Höhe von rund 2.800 Metern und bietet eine der spektakulärsten Panorama-Landschaften Nordafrikas. Leider war es uns verwehrt dieses Highlight zu sehen. Man braucht dafür nämlich eine Genehmigung der algerischen Behörden. Diese wurde uns aus unerklärlichen Gründen verwehrt. So ging es dann langsam wieder zweitausend Kilometer zurück, zum Glück ohne große Pannen und sonstigen unerwarteten Herausforderungen für unsere Gruppe. Die Ausreise nach Tunesien ging mit erstaunlichen fünf Stunden sehr schnell. Nach der Verabschiedung von unseren Guides und neuen, sehr herzlichen Bekanntschaften, die wir auf dieser Reise gewonnen haben, ging es für uns drei nun weiter auf große Entdeckungstour durch Tunesien.


























